Zuletzt aktualisiert am 12.05.2019

In den vergangenen Jahren haben sie deutlich an Wert gewonnen: die Blogger Relations. Doch was ist das eigentlich genau und wie funktioniert eine erfolgreiche Bloggerkooperation?

Was genau sind eigentlich Blogger Relations und was ist Influencer Marketing?

Als „Blogger Relations“ werden die Aktivitäten und Maßnahmen von Unternehmen oder in deren Namen beauftragter Mittelspersonen (wie bspw. PR-, Social Media oder Influencer-Agenturen) bezeichnet, um mit Bloggern zusammen zu arbeiten.

 

Immer mehr Unternehmen verstehen, wie nützlich Blogs als Werbemaßnahme sein können. Eine Bloggerkooperation soll dabei der Positionierung ihres Produktes, ihrer Marke oder ihrer Dienstleistung in einer relevanten Zielgruppe dienen. Der Blog und oftmals auch das dahinter stehende Gesicht werden hierbei für Werbezwecke des Unternehmens genutzt.

Abzugrenzen davon ist der Begriff „Influencer Marketing„. Hier gehen Marketer gezielt auf Personen mit einer sehr reichweitenstarken Community zu, um diese für Marketingmaßnahmen des Unternehmens einzusetzen. Dies können Blogger sein, müssen es aber nicht. Influencer (vom englischen Wort „influence“ = „beeinflussen“ hergeleitet) können beispielsweise auch Youtuber, Instagrammer oder Prominente sein, die im besten Fall eine große Social Media Reichweite haben, auf die das Unternehmen zugreifen möchte. Im Gegensatz zu Blogger Relations kommt es beim Influencer Marketing also nicht vordergründig darauf an, dass die ausgewählte Person einen Blog betreibt. Influencer können aber auch Blogger sein, sodass sich Influencer Marketing und Blogger Relations überschneiden können, es aber nicht müssen.

Da der Fokus dieses Blogs auf Blogger-Angelegenheiten liegt, beziehen sich die folgenden Ausführungen ausschließlich auf Blogger Relations und die erfolgreiche Bloggerkooperation.

Gründe, um mit Bloggern zusammenzuarbeiten

Blogger genießen nach wie vor den Ruf der Objektivität und Unabhängigkeit. Sie berichten aus ihrer Sicht über Eindrücke und Erfahrungen von und mit einem Produkt oder einer Dienstleistung. Genau das ist es, was die Authentizität von Blogs ausmacht und warum die treue Leserschaft die Meinung und die Beiträge von Bloggern schätzt. Dem unabhängig verfassten Blogbeitrag wird mehr Glauben geschenkt als einem Beitrag, den das Unternehmen selbst erstellt hat und sich darin aus Werbegesichtspunkten besonders gut positionieren möchte. Niemand möchte vom Unternehmen selbst hören, wie toll es ist.

Die klassischen Werbeformate wurden schon lange durch die Möglichkeiten abgelöst, die sich durch Vernetzung, Verbreitung, interaktive Nutzungsart und Bereitstellung von Informationen im Internet ergeben. Der Kunde informiert sich heutzutage vor dem Kauf oftmals zunächst online über ein Produkt, eine Reise oder eine Dienstleistung bevor er eine finale Kaufentscheidung trifft.

Der von Bloggern generierte Content kann heutzutage im Wege der Selbstpublikation dabei nicht nur einfach veröffentlicht, sondern auch an eine Vielzahl von einerseits treuen Lesern und andererseits neuen Lesern verbreitet werden, die beispielsweise über eine Suchmaschine auf den Blog gelangen. Das kooperierende Unternehmen erhält somit eine ganz neue Plattform, um ein zu bewerbendes Produkt zielgruppengerecht zu platzieren.

Vorteile einer Bloggerkooperation sind u.a.:

  • authentischer (externer) Beitrag über ein Produkt oder eine Dienstleistung
  • kreative Ideen: der Blogger bringt eigene Ideen für die bestmögliche Positionierung eines Produktes mit, denn sie/er kennt seine/ihre Leserschaft (und damit die Zielgruppe) am besten
  • zielgruppengerecht: Möglichkeit, die Marke/das Produkt/die Dienstleistung sehr genau direkt in der Zielgruppe zu positionieren
  • Reichweite: Nutzung der Verbreitungsmöglichkeiten des Bloggers über die Blogplattform und die eigenen Social Media Kanäle (Multiplikator)
  • dauerhafte Reichweite: entgegen der Werbung in einem Print-Produkt oder in einem TV- oder Radio-Spot erzielt man mit einem Blogartikel dauerhafte Content-Reichweite – Blogbeiträge werden nicht nach dem Lesen wieder in den Schrank gestellt oder nur zeitlich begrenzt ausgestrahlt, sondern sind dauerhaft im Internet abrufbar

Wie findet ein Unternehmen den passenden Blogger?

Nicht jeder Blog passt natürlich für die Werbemaßnahme eines Unternehmens gleichermaßen. Logisch ist, dass beispielsweise einem Tourismusverband nicht gut daran gelegen wäre, eine Destination auf einem Technikblog zu platzieren. Zunächst muss also Recherche betrieben werden, um einen passenden Blog für die Marketingmaßnahme zu finden. Dies kann bei der Vielzahl an Blogs, die es inzwischen in allen möglichen Branchen gibt zunächst schwierig sein.

So kann man den passenden Blogger finden:

  • Suchmaschinenrecherche
  • Social-Media-Recherche (bspw. Suche nach relevanten Hashtags)
  • Bloglisten (z.B. zu finden über eine Suchmaschine „Die besten Reiseblogs“, „Die besten Fashionblogs“ etc.)
  • Blogverzeichnisse (werden immer weniger genutzt und sind meines Erachtens für Unternehmen nur bedingt relevant)
  • Blog-Marketing-Plattformen wie Blogfoster oder Trusted Blogs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Blogger & Unternehmen durch Kampagneninserate zusammen zu bringen
  • Agenturen: es gibt inzwischen zahlreiche Agenturen, deren Aufgabe allein darin besteht, Blogger und Unternehmen zusammenzubringen – das muss nicht immer schlecht sein (mehr dazu sogleich). Viele Agenturen machen heute einen sehr guten Job, wenn es um die Kommunikation mit Bloggern geht.

Die Ansprache: Individuelle Kontaktaufnahme statt Massenmails

Sollte ein Blogger gefunden worden sein, der gut zum Unternehmen passt, ist im nächsten Schritt die richtige Kontaktaufnahme besonders wichtig. Ich selbst habe bereits zahlreiche Anfragen erhalten, bei denen schon allein nach dem Lesen der Ansprache klar wurde, dass zig andere Blogger genau dieselbe E-Mail erhalten haben. In solchen Fällen darf man sich womöglich noch geehrt fühlen, wenn in dem Anschreiben zumindest ein Link zum eigenen Blog richtig eingefügt wurde. Solche Anfragen landen bei mir meist direkt im Papierkorb. Niemand möchte sich fühlen wie einer von vielen und wie ein austauschbarer Name in einer E-Mail.

Klar, es bedeutet deutlich mehr Aufwand, jeden einzelnen Blogger persönlich anzuschreiben und in der Kontaktaufnahme auf seinen Blog einzugehen. Für mich persönlich aber ein unerlässliches Kriterium für eine erfolgreiche Bloggerkooperation. Warum? Weil sich das Unternehmen zum einen mit dem Content des Bloggers befassen muss, um herausfinden zu können, ob der Blog überhaupt zu dem zu bewerbenden Produkt passt. Außerdem kann nur eine Kooperation auf Augenhöhe dazu führen, dass wirklich beide Seiten mit dieser im Endeffekt auch zufrieden sind.

Zum besseren Verständnis zeige ich dir hier im folgenden einmal zwei Beispiele dafür, wie man es nicht machen sollte und im Gegensatz dazu, wie eine sehr freundliche Bloggeransprache aussieht. Beide Beispiele sind Originalanfragen, die mir im Zusammenhang mit meinem Reiseblog zugesendet wurden.

Falsche Bloggeransprache – So bitte nicht

„Lieber Blogger,

wir würden Dir gern ein Artikel aus unserem Shop kostenlos verschicken.

Du musst dann nur nach Erhalten des Artikels einen Beitrag verfassen und diesen in Deinem Blog veröffentlichen. Im Gegensatz würden wir uns über einen Link zu unserer Seite freuen….“

Richtige Bloggeransprache – So sehr gerne

„Hallo Sonja,

bei der Recherche nach Seiten für ein … bin ich heute auf Deinen Blog jointhesunnyside aufmerksam geworden – die Beiträge sind sehr schön geschrieben. Auch wenn die dunkle Seite stark ist und ich Sympathien für das Imperium hege, folge ich jetzt der sonnigen! Deine SEO-Werte sind auch begeisternd.

Ich bin auf der Suche nach einem zuverlässigen Blogger mit relevanten und interessanten Inhalten. Wie eben bei dir.

Hiermit möchte ich gerne eine Kooperation vorschlagen.

Ich erkläre Dir einfach mal kurz wie eine Zusammenarbeit mit uns aussieht…“

Im Negativbeispiel merkt man schnell, dass ich hier nur eine von vielen war, die diese E-Mail erhalten hatte. Noch dazu direkt im ersten Satz ein Rechtschreibfehler – ein absolutes No-Go.

Im Gegensatz dazu war die zweite hier aufgeführte Anfrage wirklich sehr nett formuliert. Auf meinen Blog wurde individuell eingegangen („dunkle Seite der Macht“ im Gegensatz zum sonnigen Reiseblog) und die ersten Zeilen haben mich sogar direkt ein wenig zum Schmunzeln gebracht. Vormachen brauche ich mir nichts: natürlich haben auch andere Blogger eine Anfrage für dasselbe Unternehmen von der Agentur erhalten. Gleichwohl hatte ich beim Lesen der Nachricht zumindest den Eindruck, dass das Unternehmen sich tatsächlich für meinen Blog, meine Arbeit und mich interessiert.

Das sollten Unternehmen bei der Ansprache von Bloggern beachten:

  • Begegne dem Blogger auf Augenhöhe – immerhin suggeriert deine Ansprache eine Vertragsanbahnung zwischen dir und dem Blogger und die Möglichkeit auf eine gute Zusammenarbeit
  • Persönliche und individuell auf den Blog zugeschnittene Ansprache – Zeige dem Blogger, dass du dich mit seinem Blogangebot tatsächlich auseinandergesetzt hast
  • Erkläre dem Blogger, warum du gerade ihn/sie für die Kampagne ausgewählt hast
  • Sage dem Blogger wer du bist
  • Stelle die Kampagne vor
  • Übermittle dem Blogger alle Informationen, die er für die Entscheidungsfindung benötigt: Was wird vom Blogger genau erwartet (nur Einsatz bestimmter Hashtags in Social Media Posts oder aber ein kompletter Blogbeitrag bzw. eine Kampagne über mehrere Blogbeiträge hinweg etc.)

Wertschätzung

Was vor Jahren noch unvorstellbar war, ist heutzutage gang und gäbe: Bloggerkooperationen, eingeplantes Unternehmens-Budget und Personal im Bereich „Blogger Relations“. Keine Frage, digitales Marketing im Rahmen von Blogger Relations ist langsam aber sicher auch in Deutschland angekommen.

Ein Großteil der Kommunikation zwischen Bloggern und Unternehmen wird hierzulande dabei nicht nur durch das Unternehmen selbst, sondern immer häufiger auch über PR-Agenturen betrieben, von denen sich einige inzwischen sogar ausschließlich auf Blogger-/Influencer-Marketing fokussiert haben.

Selbst wenn Blogger Relations bei weitem noch nicht flächendeckend im deutschen Markt eingesetzt werden, so verdeutlichen die o.g. Punkte, weshalb Bloggerkooperationen eine äußerst nützliche Möglichkeit bieten, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu vermarkten. Auch künftig werden Blogger Relations das digitale Marketing entscheidend mitprägen.

Aber: Eine Bloggerkooperation ist nur eine gute Kooperation, wenn am Ende auch beide Seiten zufrieden sind.

Was vielleicht von „außen“ betrachtet einfach aussehen mag, ist für den Blogger mühsame Arbeit. Das Schreiben, Erstellen und Aufbereiten von Blogartikeln (Recherche, SEO, Bilderstellung und -optimierung und zusätzlich ggf. Streuung der Inhalte in den sozialen Medien) nimmt viel Zeit in Anspruch und sollte aus diesem Grund auch von Unternehmensseite entsprechend wertgeschätzt werden.

Der Blogger steckt in seine Beiträge nicht nur Herzblut und Leidenschaft, sondern auch richtig viel Arbeit und Zeit, die entsprechend als solche anerkannt und vergütet werden sollte.

Auf der anderen Seite bieten Blogger dem Unternehmen noch dazu eine Plattform, auf welcher der erstellte Beitrag nicht nur im Sinne einer „kurzen“ Werbekampagne veröffentlicht wird, sondern auch auf Dauer abrufbar ist. Das Unternehmen profitiert demnach von der Authentizität, Persönlichkeit, Reichweite und Leserschaft des Bloggers auch über einen längeren Zeitraum hinweg und sollte dies entsprechend honorieren.

Wichtig ist jedoch: einen Pauschalbetrag für Blogger gibt es nicht, denn jeder Blog ist anders. Reichweite, Zielgruppe, Nischenthema, Aufwand und unterschiedlich hohe Stundensätze des Bloggers sind alles Faktoren, die bei der individuellen Vergütungsverhandlung berücksichtigt werden sollten.

Setzt euch zusammen und erarbeitet ein individuelles Kampagnenkonzept auf Augenhöhe, aus dem jede Seite gleichberechtigt ihren Nutzen ziehen kann.

Der rechtliche Aspekt

Last, but not least: die rechtliche Seite! Wo Werbung drin steckt, muss auch Werbung drauf stehen. Mehr dazu, welche Kennzeichnungspflichten bei einer Bloggerkooperation beachtet werden müssen, lest ihr in meinem ausführlichen Blogbeitrag „Kooperationen richtig kennzeichnen!“

Bild: rawpixel / Pixabay

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